Begegnung

Dubai also, während in Berlin die Blätter von den Bäumen fallen und die Luft immer kühler wird. Dubai, wo es noch immer 35 Grad hat und mehrmals am Tag der Gebetsruf des Muezzin zu hören ist. 350 Sonnentage im Jahr gibt es hier. Das klingt paradiesisch, ist es aber nicht. Im Sommer ist es so heiß, dass sich das Leben vor allem in klimatisierten Räumen oder Autos abspielt.

Das Stadtbild wird geprägt von Männern in traditionellen Dishdashas, schwarz verschleierten, oft grell geschminkten Frauen, unzähligen fertigen und unfertigen Hochhäusern, Baukränen, Taxi fahrenden Indern, Moscheen und leichter bekleideten Westlern. Vieles ist sandfarben, wie die nahe Wüste. Wortfetzen fremder Gespräche enthalten mehr Englisch, Deutsch und Hindi als Arabisch. Die Einkaufszentren werden ihrem Ruf ohne Zweifel gerecht: sie sind gigantisch und bieten mehr, als der Konsument sich vorstellen kann. Dubai ist materialistisch, pauschal gesagt.

Die Straßen werden immer wieder gesäumt vom überdimensionalen Bild eines bärtigen Mannes mit traditioneller arabischer Kopfbedeckung: Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktoum. Der Herr mit dem langen Namen ist der Emir von Dubai und entstammt einer Beduinenfamilie, die seit Jahrhunderten auf der arabischen Halbinsel ansässig ist. Seine Hoheit hat 16 Kinder, von zwei Frauen – offiziell. Inoffiziell gilt er als Schürzenjäger, wie viele Sprösslinge er tatsächlich in die Welt gesetzt hat, ist wohl nicht mehr zu sagen.

Sein Reich, Dubai, ist eines der sieben Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Zwar ist Abu Dhabi das größte und Sitz der Regierung, doch an Bekanntheit überragt Dubai alle anderen sechs zusammen. Die wenigsten haben schon einmal von Sharjah, Ajman oder Ras al-Khaima gehört. Die VAE wurden 1971 gegründet, nachdem die Briten den Persischen Golf verlassen hatten. Heute liegt die Macht bei den Emiren, obgleich die VAE ein föderal aufgebautes Staatswesen sind.

Dem Familien- und Strafrecht dient als Grundlage die Sharia. Derartige Fälle werden also an traditionellen islamischen Gerichtshöfen geregelt und das sehr streng. Händchenhalten und Küssen in der Öffentlichkeit ist Tabu, unverheiratete Paare dürfen nicht zusammen wohnen, Alkohol bekommt nur, wer eine entsprechende Lizenz hat. Wer gegen die Regeln verstößt, wird bestraft, nicht wenige Ausländer wurden schon von einem Tag auf den anderen des Landes verwiesen.

Dubai ist modern und konservativ zugleich. Modern nach außen hin, konservativ nach innen.

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