Und täglich ruft der Muezzin

„Allah-u-akbar“, Gott ist größer. Fünf Mal am Tag, aus jeder Moschee und immer auf Arabisch. Das erste Mal ruft der Muezzin bei Sonnenaufgang zum Gebet. In Dubai ist das momentan morgens um fünf. Überhören kann ihn nur, wer einen wirklich guten Schlaf hat, dank der Lautsprecher, über die er ertönt. „Das Gebet ist besser als der Schlaf“, fügt der Muezzin dem Frühgebet noch hinzu. Die meisten so genannten Westler würden dem wohl widersprechen. Besonders, wenn der schrill ansteigende Singsang des „Nachbarschafts-Muezzin“ in den Ohren weh tut. Nicht jeder Gebetsrufer ist ein guter Sänger. Der Adhan, wie der Ruf auf Arabisch heißt, ist eine Kunst für sich. Kein Wunder also, dass es in der Türkei bereits einen Gebetsrufwettbewerb gibt. Dieser dient dem österreichischen Regisseur Sebastian Brameshuber als Rahmen für seinen Dokumentarfilm „Muezzin“.

Derartigen Wetteifer gibt es in Dubai (noch) nicht, wobei es an Eifer an sich nicht mangelt. Seit drei Jahren wird im berühmtesten Emirat ein Gebetshaus nach dem anderen gebaut. Jeder Gläubige soll innerhalb von zehn Minuten eines erreichen können. Zu jeder Gebetszeit, die sich nach dem Sonnenstand richten, ist dementsprechend ein  Wirrwarr an Stimmen, Wörtern und Tonlagen zu hören, das zuweilen irgendwie mystisch anmutet.

Ursprünglich riefen die Muezzin vom Minarett der Moscheen. Dabei sollten sie nach Möglichkeit blind sein, um nicht in die Höfe von Frauen schauen zu können. Der erste Muezzin war ein freigelassener Sklave, Bilal. Der Äthiopier rief laut der Überlieferung etwa 622 erstmals zum Gebet, wenn auch nicht von einem Minarett, sondern von einem Hausdach in Medina.

Dass Gebetsrufe und vor allem der Kontext, in dem sie vorkommen, vielerorts nicht eben beliebt sind, zeigt derweil unter anderem das Onlinespiel „Tschüss, Moschee“. Die Angelegenheit ist kontrovers, wie Debatten in Europa in den letzten Wochen gezeigt haben.



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