Berlin in Dubai

Berlin ist „hot“. Die Stadt gilt momentan als angesagtester Ort, ist weltweit in aller Munde und zieht dementsprechend Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern an. Es sind vor allem junge Leute, die in die deutsche Kapitale strömen. Da sind ausländische Studenten und Künstler en masse (was auch immer man unter letzteren verstehen mag) und eine riesige Kunst- und Kulturszene.

Dubai ist da ein bisschen anders. Wirklich „hot“ ist dort einzig das Wetter. Davon abgesehen kann die Stadt nicht in dem Sinne als „in“ bezeichnet werden, wie das auf Berlin zutrifft. Sicher, auch Dubai zieht eine Vielzahl von Menschen an. Die „expats“, die Zugezogenen, machen etwa 85 Prozent der Bevölkerung aus. Wer nach Dubai kommt, tut dies aber aus anderen Gründen als jemand, der nach Berlin geht. Kunst und Kultur ist im Emirat zwar vorhanden, muss aber gründlich gesucht werden.

Umso seltsamer ist es, mitten in Dubai über Berlin-Mitte und die dortige Künstlerszene zu diskutieren. So geschehen bei einer Filmvorführung während des Berlin-Dubai Festivals, das  Ende Oktober vom Goethe-Institut veranstaltet wurde. Frank Künster ist Regisseur des gezeigten Dokumentarfilms „Let It Rock“. Von 2001 an führte er über 15 Monate hinweg 175 Gespräche mit gebürtigen und zugezogenen Berlinern, die zum Zeitpunkt des Drehs, vor allem aber in den 90ern in irgendeiner Beziehung zum Szeneviertel Mitte standen. Der Stadtteil und sein Nachtleben haben sich seit den 90ern verändert, sind kommerzieller geworden. „Mitte ist ein Laufsteg“, meinte eine der Interviewten. Früher sei der Bezirk voll von Selbstverwirklichern gewesen, heute sei er voll von Leuten, die welche sein wollen und dadurch aufgesetzt wirkten.

Parallelen zu sehen zwischen Berlin und Dubai ist nicht einfach. Und doch gibt es welche. Beide Metropolen haben sich in den letzten 20 Jahren extrem gewandelt, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Gemeinsam ist ihnen aber, dass ihre gebürtigen Bewohner nicht immer glücklich über die Veränderungen sind. Eine Dubai’in, wie die Einwohner Dubais genannt werden, kommentierte, die Stadt bestünde aus “malls and plastic things”. Sie weigert sich, auf die Palme und ins Atlantishotel zu gehen, das sich auf dieser befindet. Manch echter (und unechter) Berliner hat eine ähnliche Aversion gegenüber dem Potsdamer Platz.

Von dieser Wandlung in den letzten zwei Jahrzehnten abgesehen, sind Gemeinsamkeiten jedoch rar gesät. Geldprobleme sind es noch, die die Städte verbinden. Dass Berlins Kassen schlecht bestückt sind, ist bekannt. Dubai musste Hilfe aus Abu Dhabi annehmen, um nicht pleite zu gehen.

“You need to be a fighter to actually survive”, meinte ein weiterer Dubai’in mit Bezug auf das Künstlerdasein in den VAE. Das allerdings dürfte auch auf Berlin zutreffen. Kunst ist eben zu oft eine brotlose.

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2 Antworten zu “Berlin in Dubai

  1. Schön geschrieben, ein herzliches Dankeschön von einem Ex-Berliner (und immer noch Berliner im Geiste)!

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