Was keiner wissen soll

Offiziell ist es verboten. Wie so vieles in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Doch was offiziell nicht erlaubt ist, wird insgeheim meist geduldet. Oder gar gut geheißen. Das weiß aber natürlich niemand. Offiziell.

Die VAE sind ein islamisch geprägtes Land, trotz der europäischen, amerikanischen und indischen Einflüsse. Das beinhaltet unter anderem, dass Recht nach der Scharia gesprochen wird, es zahlreiche Moscheen gibt, der Gebetsruf fünf Mal am Tag erklingt und Alkohol verboten ist. Das gleiche gilt auch für öffentliche Liebesbekundungen. Händchenhalten oder ein Küsschen gehen noch durch. Wer mehr wagt, läuft aber Gefahr, im Gefängnis zu landen. Das kam bereits vor. Geschlechtsverkehr zu haben, ohne verheiratet zu sein ist illegal. Nicht einmal wohnen darf man mit dem Freund zusammen (den man offiziell auch gar nicht hat).

Dass Prostitution da haram, also verboten ist, scheint selbstverständlich. Aber auch hier: offiziell. Vor allem in Dubai geschieht so einiges hinter verschlossenen Hoteltüren. Die aber eigentlich recht offen sind. Lange nach dem käuflichen Sex suchen muss dort niemand. Wo entsprechende Damen anzutreffen sind, ist bekannt und fast jede    5-Sterne-Unterkunft hat eine Bar, in der die Frauen sich tummeln. Sie stammen oft aus Ost-Europa aber auch aus Indien, dem Libanon oder dem Iran. Dubai ist mit das größte Zentrum von Prostitution im Nahen Osten.

Von dem offenen Geheimnis wird nicht selten gesprochen und viele in der Stadt sind auf die eine oder andere Art bereits damit in Kontakt geraten. Selbst Emirater machen nicht zwangsläufig einen Hehl daraus. Sieht man Männer in traditionellen Dishdashas abends in einer Bar sitzen, zusammen mit leicht bekleideten und grell geschminkten Frauen, ist der Kontext leicht verstanden. Manch einer aus Saudi Arabien fliegt gar extra ein, um sich in Dubai ein wenig auszutoben. Sowohl mit Frauen als auch mit Alkohol, denn der Konsum desselben ist in Saudi Arabien strikt untersagt.

Hochsaison hat die Prostitution im Emirat in den Sommermonaten. Die meisten Ehefrauen flüchten vor der Hitze nach Europa oder Amerika. Viele der zurückbleibenden Männer nutzen in dieser Zeit das „Angebot“. Man schätzt, dass in Dubai etwa 30.000 Prostituierte ihrer Arbeit nachgehen. Auch diese Zahl ist inoffiziell.  Die bulgarische Fotografin Mimi Chakorova ging der Prostitution in Dubai 2007 auf die Spur. Ergebnis ist die Reportage „Dubai: Night Secrets“. Das Video ist in Dubai nur zugänglich, wenn man im Internet ein paar Schranken umgeht. Chakorova sprach mit Frauen, ging in Nachtclubs und wurde selbst nach ihrem Preis gefragt. Stets mit dem Geheimdienst der VAE im Nacken, wie sich herausstellte. Ihr Hotelzimmer wurde komplett durchsucht, ihre Kamerafrau an der Ausreise gehindert, Videomaterial zunächst konfisziert.

Inoffiziell mag das Gewerbe in der Wüstenstadt, die sich so gerne glamourös gibt, florieren. Offiziell davon sprechen will jedoch kaum jemand.

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