Ein Zaun im Sand

Sand. Kilometerweit, nichts als Sand. Frauen, komplett umhüllt von fließenden schwarzen Stoffen, die ihre Körper nur als grobe Silhouette erahnen lassen. Männer in langen weißen Gewändern, mit dunkler Haut, dunklen Augen. Mekka. Medina. Öl.

Was wissen wir über Saudi Arabien? Das Land ist streng religiös und es herrscht eine der striktesten Geschlechtertrennungen weltweit. Es gibt separate Räume in Restaurants, separate Schalter in Banken, separate Etagen in Einkaufszentren. In den Städten dürfen Frauen nicht Autofahren und ins Land einreisen nur in Begleitung des Vaters, Bruders oder Mannes, wenn überhaupt. Denn einfach so kommt niemand über die Saudische Grenze. Auch Alkohol ist streng verboten, für beide Geschlechter. Es finden öffentlich Hinrichtungen statt, was in deutschen Medien jedoch selten erwähnt wird. Menschenrechte scheinen irrelevant und Meinungs- und Religionsfreiheit sind in der absoluten Monarchie, an deren Spitze König Abdallah bin Abdulaziz Al Saud steht, kaum existent.

All das klingt rückständig und ist es für unsere Begriffe auch. Nichtsdestotrotz ist in Saudi Arabien beispielsweise die Mehrzahl der Studenten weiblich, obwohl Frauen erst seit 1966 das Recht haben, die Schule zu besuchen. Saudische Großstädte sind zudem sehr modern, wie Nicolai Ouroussoff in seinem Artikel „Saudi Urban Projects Are a Window to Modernity“ ausführlich darstellt. Das scheint widersprüchlich und ist doch miteinander vereinbar. Nur wissen wenige davon.

So wie nur wenige je von dem Zaun gehört haben, den Saudi Arabien gerade bauen lässt. Einmal um das Land herum, 9.000 Kilometer lang. Und wer verdient daran? EADS. Der Konzern liefert Radar- und Bewegungsmelder sowie Systeme für die Überwachung von Flughäfen und Häfen. Bereits 2009 wurde der Milliardenauftrag vergeben, um die 1.000 EADS-Mitarbeiter sollen mittlerweile im Land beschäftigt sein.

Der Wüstenstaat mit 25,5 Millionen Einwohnern grenzt insgesamt an sieben Länder, neben Jordanien und Irak sind das der Jemen, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Qatar. Saudi Arabien will sich schützen, insbesondere vor Terror. Geplante jedoch vereitelte Anschläge gab es in den vergangenen Jahren genug, um die Sorge zu begründen. Laut Auswärtigem Amt zuletzt im April 2009. Doch wie so oft bekämpft ein Zaun, eine Mauer, eine Barriere lediglich Symptome, deren Ursachen unangetastet bleiben. Letzte verlieren sich im Sand, der sich kilometerweit über das Land erstreckt, um sich immer wieder neu zu sammeln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s