Konvergenz

Wer Medien konsumiert, dem mag es scheinen, als breche gerade die Welt auseinander. Unruhen, Proteste, Demonstrationen in Tunesien, Ägypten , dem Jemen, Jordanien – die arabische Welt, wie wir sie seit Jahrzehnten kannten, befindet sich im Umbruch. In Russland ist es ein Bombenanschlag im Moskauer Flughafen, der das Land und die Welt kurz erstarren lässt. Nur kurz, denn es dauert nicht lange, bis andere Orte die Aufmerksamkeit erlangen. Australien etwa, wo die Menschen einen Zyklon über sich ergehen lassen müssen, wo sie sich doch gerade erst von den Überschwemmungen erholten, bei denen so viele ums Leben kamen. In den USA legen Schneestürme alles lahm, in Brasilien sind Schrecken und Verluste durch die Erdrutsche Anfang des Jahres noch mehr als präsent und in Japan bricht ein Vulkan aus. Und die Liebigstraße 14, ein seit 1990 besetztes Haus in Berlin – Friedrichshain, wird von 2000 Polizisten geräumt ().

All das geschieht im Fokus der Medien, internationalen wie nationalen. Nimmt man jedoch die deutschen Medien selbst einmal in den Fokus, fällt die Konvergenz eben dieser auf. Die Schlagzeilen ähneln sich, Tagesschau und heute unterscheiden sich sowieso kaum noch voneinander. Dass über wichtige Ereignisse berichtet werden muss steht außer Frage. Doch wenn ein großer Teil unserer Medienlandschaft dieselben Ereignisse als gleich wichtig erachtet, kann dies die Medienvielfalt gefährden.

Umso wichtiger sind Internetseiten wie etwa das Dossier. Dort wird auf Randthemen hingewiesen, die in der alltäglichen Berichterstattung oft untergehen und ob der Informationsflut, mit der wir konfrontiert sind, wenig beachtet werden. Arts & Letters Daily macht gleichfalls auf Artikel abseits der Tagespresse aufmerksam und Mediapart, eine französische Internetzeitung, finanziert sich ausschließlich über Abonnements. Das Medium kann dadurch unabhängiger arbeiten als viele seiner Konkurrenten. Rentabel ist das noch nicht, könnte es jedoch bald werden, wie aus einem Interview der taz mit der Mediapart-Redakteurin Géraldine Delacroix hervorgeht.

Der Journalismus steckt in der Krise, heißt es immer wieder. Abgeholfen wird dem durch Medienkonvergenz allerdings nicht. Darüber sollten sich die Verantwortlichen im Klaren sein. Trotz Kostendruck.

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