Von A nach B

Der Himmel scheint hier greifbarer zu sein, so nah breitet er sich ueber der Erde aus. Wolken haengen tief ueber der Pampa, die sich endlos bis zum Horizont erstreckt. Rinder weiden in saftig gruenem Gras, vollbeladene Lastwagen aelteren Baujahrs fahren an dem Bus vorbei, in dem ich sitze.

Das Land ist hier unglaublich weit. Kein Bericht, kein Artikel, den ich darueber gelesen habe, kann dieser Weite gerecht werden. Entlang der Strasse stehen in grossen Abstaenden Tore aus Holz, meist weiss lackiert, vor Einfahrten zu riesigen Anwesen oder auch nur winzigen Haeusern. Auf den Feldern sind vereinzelt, verteilt,  kleine Haine zu sehen, nahe der Landstrasse befinden sich urig aussehende Baeume, als seien sie schon Jahrhunderte alt. Vielleicht sind sie es.

In der Provinz sind entweder bald Wahlen oder Wahlwerbung wird auch ueber solche hinaus stehen gelassen. Weisse Banner, auf die Namen geschrieben sind, wurden aufgestellt, um Waehler zu gewinnen. Sie sind nicht gross, man sieht sie kaum. Mitten im Gras sind sie zu finden, regelmaessig, ueber Kilometer hinweg. Alle, egal, wessen Werbung es ist, alle sind sie fuer die provincia da, alle werden sie ihr Bestes tun. Bleibt zu hoffen, dass sie ihr Versprechen halten.

Distanzen haben hier eine andere Bedeutung, knapp 4000 Kilometer sind es vom Norden Argentiniens in den Sueden. Wege fuehren ab der Strasse ins Land hinein. Ich wuerde ihnen gerne nachgehen, sehen, wo sie enden. Aber der Bus faehrt weiter, immer weiter durch die Pampa. Zwanzig Stunden, von Buenos Aires nach Santiago de Chile.

Zum Abendessen wird angehalten, wir gehen in eine Raststaette. Ich sitze am Tisch mit zwei chilenischen Frauen. Sie reden schnell und verschlucken die Haelfte der Woerter. Erst als ich langsam und stolpernd zu antworten versuche, schalten sie einen Gang zurueck. Beide waren sie schon in Deutschland, beide sind sie begeistert gewesen. Vor allem von Berlin. „Ich Deutsch spreche bisschen“, sagt Paola mit amuesantem Akzent. Sie ist eine lebhafte Frau, lacht viel und laut, gestikuliert und hat Freude daran, ueber Currywurst zu sprechen. Auf Mitte 40 schaetze ich sie, dabei wirkt sie viel juenger, auch durch den pfiffigen Kurzhaarschnitt und die jugendliche Kleidung, die sie traegt. Als ich erzaehle, dass ich in Berlin wohne, ist sie so begeistert, dass sie mich zum Abendessen einlaedt und mich, in Santiago angekommen, von ihrem Sohn fast vor die Tuer meines Hostels fahren laesst. Paola ist keine Ausnahme von der Regel, die Menschen sind wunderbar freundlich hier.

Der Bus ist bequemer als Flugzeuge und so laesst sich tatsaechlich etwas Schlaf finden. Am naechsten Morgen sind ploetzlich ueberall Berge, rund herum. Braun und karg ragen sie in den diesigen Morgenhimmel. Wir sind bereits ueber der Grenze und die Strasse fuehrt steil nach unten, schlaengelt sich in steilen Kurven ins Tal hinab. Ohne Leitplanken. Der Weg herunter vom Pass wird gesaeumt von Muell, von Plastiktueten und -flaschen. Dabei ist die Natur schoen, es wird immer gruener, je weiter nach unten wir kommen. Kakteen wachsen an den Haengen, ein kleiner Fluss bahnt sich seinen Weg durch die Landschaft. Kleine Haeuser und Baracken stehen versprenkelt da, manchmal auch eine Siedlung, weit entfernt von der naechsten Stadt.

Bis es urbaner wird, der Verkehr zunimmt, sich wieder Gebaeude an Gebaeude reiht. Und dann Santiago.

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Eine Antwort zu “Von A nach B

  1. Danke, Maria, jetzt hab ich wieder Fernweh 😉

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