Klein Israel

Es klang gut. Ein Ort zum Entspannen, die Natur geniessen, mitten im Gruenen, an einer Landstrasse, die von einem kleinen Dorf zu einem See fuehrt und ein Fluss in der Naehe. Das Rey Sol ist ein Hostel in Lago Puelo, Patagonien. Die Beschreibung gefiel mir, also fuhr ich hin – und landete in „Klein Israel“. Dass hier fast nur Israelis abstiegen stand allerdings nirgends geschrieben.

Ich bin skeptisch. Israelis in grosser Menge sind oft laut, unhoeflich und kindisch. Sie haben gerade die Armee verlassen, eine Weile gearbeitet und sind anschliessend mit wenig Geld in der Tasche losgezogen, um die weite Welt zu erkunden – und hin und wieder die Sau rauszulassen. Das ist nicht immer angenehm, besonders, wenn man nicht versteht, was sie sagen. So wie in „Klein Israel“, wo fast nur Hebraeisch um micht herum gesprochen wird. Gila, die Eigentuemerin, ist juedisch-italienisch und hat eine Zeit lang in Israel gelebt. Ihr Mann ist Argentinier, weshalb wenigstens ab und zu auch Spanisch zu hoeren ist.

Die Israelis im Rey Sol sind freundlich, entspannt und nicht lauter als andere Leute in dem Alter. Trotzdem wundere ich mich waehrend meines gesamten Aufenthalts dort. Junge Israelis kleben aneinander wie die Motten am Licht. Es gibt immer wieder Ausnahmen, doch die bestaetigen die Regel. Weshalb zieht man mit dem Rucksack durch fremde Laender, um doch nur unter seinesgleichen zu bleiben?

Israelis sind ihrem Land sehr verbunden, das steht ausser Frage. „Wenn wir auf Leute von zu Hause treffen, fuehlt sich das ein wenig an wie zu Hause“, meint Yossi. der ebenfalls im Rey Sol abgestiegen ist. „Es ist ein Stueck Geborgenheit in der Fremde, etwas Vertrautes.“ Das leuchtet irgendwie ein. Und doch…. treffe ich auf Deutsche, loest das nicht viel mehr Emotionen in mir aus, als wenn mir andere Nationen begegnen.

Ich komme an einem Freitag im Rey Sol an, an dem es abends ein traditionelles Shabat-Essen, Shishi genannt, gibt. Ein junger Mann sagt ein Gebet auf, es wird gesungen. Waehrenddessen und anschliessend haben alle Freude daran, dem „german girl“, zu erklaeren, was es mit dem Shabat auf sich hat. Der hat religoese Wurzeln. Die Abendessen, die in juedischen Familien ueberall auf der Welt stattfinden, sind jedoch oft traditionell-familiaer.

Die meisten Israelis, die mit dem Rucksack umherziehen, sind saekular. In der knappen Woche, die ich im Rey Sol verbringe, sehe ich nur ein einziges Mal einen jungen Israeli mit Gebetsriemen im Gespraech mit Gott. Kaum jemand isst koscher. Zwei Maedels allerdings haben einen koscheren Spuelschwamm dabei, den ich aus Versehen benutze. Seltsam.

So seltsam, wie die Ansammlungen von Israelis, auf die ich immer wieder treffe. Meistens aber sind sie nicht ganz so gross wie im Rey Sol.

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