Verheiratet mit dem Blackberry

Souad Al Hosani

Soad Al Hosani

Souad Al Hosani spricht schnell. Die Wörter mit arabischem Akzent sprudeln nur so aus der enthusiastischen Frau aus Abu Dhabi hervor. 22 ist sie erst und hat doch schon einiges zu sagen.

Souad ist ungewöhnlich, vor allem in einem arabischen Land wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Frauen haben dort zwar recht viele Freiheiten im Vergleich zu anderen Ländern der Region. Sie sind gebildet, studieren und arbeiten, was auch von der Regierung unterstützt wird. Trotzdem herrscht eine patriarchalische Gesellschaftsstruktur vor, in der die Familie im Vordergrund steht und Frauen im Beruf nur selten Entscheidungsträger sind. Das ändert sich jedoch, wenn auch langsam. Emiraterinnen wie Salma Hareb, Geschäftsführerin der „Jebel Ali Freezone“, und Sheikha Lubna Al Qasimi, Außenhandelsministerin der VAE, nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein. Irgendwie tut das auch Souad.

Mit 16 begann sie bei der Papierarbeit in einem Marklerbüro zu helfen. Seitdem hat sie in unterschiedlichen Firmen gearbeitet und wird im Juni 2011 ihren Bachelor in Human Resources erhalten. Bemerkenswert ist Souad aber vor allem wegen „Nexus“. Vor einem Jahr gründete sie ihre Firma, die Ausländern dabei hilft, in Abu Dhabi ein Unternehmen zu starten. Dass sich Emiraterinnen mit eigenen Unternehmen selbstständig machen ist noch immer Rarität. Souad hat den Schritt gewagt. Visa, Alkohollizenzen, Büroräume – Nexus kümmert sich um so gut wie alles. Und das Geschäft läuft, hat Kunden aus aller Welt. Dabei liegt der jungen Frau viel an Transparenz. „Ich mag Korruption nicht oder Kommissionen unter dem Tisch zu zahlen.“

Vernetzung ist für Souad der wichtigste Aspekt ihres Berufslebens. Sie ist gerne unter Menschen. „Weil ich dadurch viel lerne und auf andere Perspektiven treffe. Und im Geschäftsleben hängt alles von Beziehungen ab.“ Besonders in einem arabischen Land wie den VAE sind Kontakte essentiell um erfolgreich zu sein. Emirater möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Das bringt Souad auch ihren Kunden bei. „Man darf nicht gleich mit dem geschäftlichen Teil anfangen, man muss sich erst vorstellen, wer man ist, wie viele Kinder man hat, was man tut im Leben“, erklärt sie. Souad sagt von sich selbst, sie sei mit ihrem Blackberry verheiratet. Sie arbeitet hart, ist fast immer für ihre Kunden erreichbar.

Doch aller Anfang ist schwer. „Ich dachte zuerst, es sei einfach, ein Unternehmen zu gründen. Im Gegenteil. Es gab Nächte, in denen habe ich geweint, weil es anfangs so schwierig war“, erzählt die junge Frau, die zu Beginn nicht einen Klienten hatte. „Es gibt viel Konkurrenz. Wie viele Leute machen genau das, was ich mache?“, fragt sie energisch. „Und zwar nicht Frauen, sondern Männer.“ Als Geschäftsfrau bewegt sie sich in den VAE in einer Männerwelt. Das fand sie anfangs irritierend und war schüchtern. Sie ging auf eine Mädchenschule und auf ein Mädchen-College und hatte zuvor wenig mit fremden Männern interagiert. „Was mich wachsen ließ und stark machte ist, dass mich meine Familie immer unterstützte.“ Ihre Brüder und Schwestern heiterten sie immer wieder auf, trieben sie an. Souad stammt aus einer gebildeten Familie, beispielsweise hat jeder ihrer Brüder einen amerikanischen College-Abschluss. Die größte Unterstützung bekam sie jedoch von ihrem Vater. Dr. Mohamed Al Hosani arbeitete lange für die Regierung und war selbst als Geschäftsmann tätig. Er besetzte stets gute Posten und ist bekannt in Abu Dhabi. Davon profitiert Souad, denn er stellt Kontakte für sie her. „Mein Vater ist mein Schlüssel zu Verträgen und ich sichere sie dann. Ich glaube, wenn man solche Unterstützung hat, wenn man weiß, was man will und seine Grenzen kennt, gibt es nichts, das einen davon abhalten kann, seine Ziele zu erreichen.“

Ihre Grenzen kennt Souad Al Hosani und versucht doch, sie Stück für Stück zu erweitern. Kultur spielt in den VAE eine große Rolle. Obgleich die junge Emiraterin aus einer offenen Familie stammt, die sie unterstützt, gibt es Regeln, an die sie sich halten muss. Ihre Familie weiß stets, wohin sie geht, mit wem sie sich trifft und welche Geschäfte sie macht. Respekt ist in den VAE ungemein wichtig. Von Frauen wird erwartet, dass sie ihn Männern gegenüber erbringen. „Und wenn mein Bruder mir sagt, Souad, ich will nicht, dass du bei der Veranstaltung lange ausbleibst, respektiere ich das.“ Ihre Familie vertraut ihr, wodurch sie mehr Freiheiten hat als manch andere Frau in den VAE. Souaddenkt, dass viele Emiraterinnen gerne arbeiten würden. „Aber vielleicht haben sie nicht die Unterstützung, die ich habe. Das ändert sich aber. Die Menschen merken, dass auch Frauen für hohe Positionen geeignet und qualifiziert sind.“

In Abu Dhabi, wo Nexus ansässig ist, ist Souad bekannt. Das erzählt sie nicht ohne Stolz. Stolz ist sie auch auf ihre Heimatstadt, wo sich immer mehr Firmen niederlassen. Abu Dhabi ist im Aufschwung und gleichauf mit Dubai. „Dubai ist als Touristenort bekannt. Aber Abu Dhabi ist wirklich auf die Entwicklung des Landes konzentriert. Der Markt ist jetzt dort, die Projekte sind dort“, führt Souad aus. Vor allem die westlichen Regionen der VAE wollen durch neue Schulen und Krankenhäuser ihre Attraktivität fördern.

Für Souad hingegen ist es attraktiv, deutsche Klienten zu gewinnen. „Deutsche sind sehr gebildet und effizient in ihrer Arbeit in den VAE.“ Bis jetzt hatte sie wenig mit Geschäftsleuten aus Deutschland zu tun. Um das zu ändern ist sie bereits einigen geschäftlichen Netzwerken beigetreten. Die Arbeit mit Deutschen sei jedoch nicht leicht, meint sie. Deutsche Firmen unterliegen vielen Restriktionen und brauchen Genehmigungen von der heimischen Handelskammer.

Aber Souad mag Herausforderungen. Zwei weitere Unternehmen sind bereits in Planung und sie selbst wird nach dem Bachelor Jura in Großbritannien studieren. Angst vor Fehlern hat sie kaum, denn die hält Souad für das Sprungbrett zum Erfolg. „Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Und letztlich sind es die Fähigkeiten, die man hat, die einen langfristig erfolgreich sein lassen“, sagt sie. Und wieder sprudeln die Wörter nur so aus ihr hervor.

erschienen in Discover Middle East, Dubai, Ausgabe Nr. 26, Januar / Februar 2011

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