Archiv der Kategorie: Fragmente

Von Krieg und Flucht

Als Dalil und Raham das Boot betraten, trug jeder einen Koffer bei sich. Sie hatten zu Hause Kleidung eingepackt, Erinnerungen, Fotos. Die beiden wussten nicht, ob sie zurückkehren würden. An Bord des Bootes befanden sich 160 Menschen. Das waren zu viele, sie waren zu schwer. Also wurde Gepäck ins Meer geworfen. Auch die Koffer von Dalil und Raham.

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Ein Kämpfer, der keiner sein will

Über Italien ist Mohammed von Syrien nach Deutschland geflohen. Fünf Tage dauerte die Flucht. Nun ist er in einem Flüchtlingslager in Hamburg. Dort kann er nur eines tun: Warten auf die Zukunft.

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Begegnung im Flieger

„Sie lesen aber harten Tobak“, sagt Klaus fröhlich. Er hat eine leichte Weißweinfahne, eine Einstein-Frisur  und sitzt neben mir im Flieger. Zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Paar, alle sind sie um die 75, will er Urlaub in Wien machen. Eine Woche lang. Die vier sind ausgelassen und scherzen über die Sitze hinweg. Klaus sitzt neben mir und der Frau seines Freundes. „Meine Nachbarin hier liest harten Stoff“, erzählt er auch dieser. Ich habe die Süddeutsche Zeitung auf dem Schoß liegen, einen Artikel über den Bürgerkrieg in Syrien oben auf. Ich muss lächeln und wir kommen ins Gespräch.

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Rita

Rita hat ihre Augen mit schwarzem Kajal dick umrandet. Dadurch wirkt sie ausdrucksvoller, der Blick intensiver. Sie ist klein, vielleicht 1,50 m – 1,55 m und trägt eine hellblaue Jeans, Turnschuhe und eine Sportjacke. Die langen dunklen Haare hat sie hochgesteckt, vermutlich würden sie sonst bei der Arbeit stören. Ritas Hände sind gepflegt, manikürt. Sie scheint viel Zeit darauf zu verwenden, dass die Hände so aussehen. Besonders, wenn man bedenkt, welcher Arbeit Rita nachgeht. Sie ist Putzfrau. Das macht Hände nicht eben schöner.

„Eigentlich komme ich aus Paraguay“, erzählt sie. „Nach Buenos Aires bin ich gekommen, um einen Job zu finden.“ Wegen ihrem acht-jährigen Sohn möchte Rita nicht in ihr Heimatland zurück. „Wir bekommen hier viel Hilfe“, meint sie. „Letztes Jahr zum Beispiel haben die Kinder in der Schule sogar Computer bekommen.“
All das erzählt sie, während sie die Terasse nass aufwischt. Ihre Hände ringen immer wieder das schmutzige Wischtuch aus. „Mein Sohn hat hier viel bessere Möglichkeiten zu lernen und zur Schule zu gehen.“
Rita lebt in der Villa 31, dem größten Elendsviertel in Argentiniens Hauptstadt. Mehr als 25.000 Menschen leben dort, manche sprechen gar von 50.000. Zumeist sind es Immigranten – Paraguayaner, Peruaner, Bolivianer. Aber auch Argentinier.

Ritas Sohn möchte gerne in Paraguay leben. Sie nimmt ihn immer wieder mit dorthin, um die Familie zu besuchen. „Er fühlt sich hier eingesperrt. Alleine auf die Straße lassen kann ich ihn nicht“, erzählt sie. In Paraguay sei das normal. Das Leben der Kinder in Buenos Aires spiele sich dagegen eher hinter verschlossenen Türen ab. Es kann gefährlich sein draußen. Das versteht Ritas Sohn noch nicht. Auch nicht, dass seine Bildungschancen in Argentinien besser sind als im Land seiner Mutter.