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Social Media für die Freiheit

Im Kampf für den eigenen Staat nimmt Social Media in Palästina an Bedeutung zu. Aber auch, um den Mainstream-Medien zu begegnen, werden Facebook und Twitter immer häufiger eingesetzt. Noch bleibt der Unmut dabei meist im Netz.

Ein Artikel über Social Media in Palästina, zu finden hier.

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Die Durchgeknallte

In Buenos Aires machen psychisch Kranke Radio. Ein etwas anderes Projekt.

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Bolivianos

Meine helle Haut hat mich verraten, die europäischen Gesichtszüge und die im Vergleich hellen Haare. Ich falle auf, unter all den Menschen, die an diesem Morgen aus dem Bus aussteigen. Bolivianisch sehe ich nicht aus.
Es ist der erste Stop in Argentinien, auf der Fahrt von La Paz, Bolivien, nach Buenos Aires. Mit geschlossenen Augen lasse ich mir die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen, genieße ihre Wärme. „Esta chica no es de Bolivia (dieses Mädel ist nicht aus Bolivien)“, sagt plötzlich jemand mit klar argentinischem Akzent zu mir. Ich drehe mich in die Richtung, aus der die Stimme kam. An eine Wand gelehnt steht ein Argentinier, zwei Meter von ihm entfernt die Frau, die das Toilettenpapier verteilt. Ebenfalls Argentinierin. „Ich“, frage ich mit leicht gerunzelter Stirn. „Nein, ich stamme nicht aus Bolivien. Und sehe auch nicht wirklich so aus.“ Der Mann geht ein paar Schritte auf mich zu. Er trägt ein graues T-Shirt und beige Hosen. Seine braunen Haare reichen fast bis zu seinen Schultern. „Wie ist es so, mit all den Bolivianern zu reisen?“, will er wissen. Seine Tonart ist abfällig, während er mich leicht schmunzelnd und verschwörerisch ansieht. „Bolivianer“ hat für den Mann ganz offensichtlich eine negative Konnotation. Die Frau mit dem Toilettenpapier schaut irgendwie mitleidsvoll zu mir rüber.
Ich bin von der Frage überrascht und versuche, die Situation einzuordnen. „Das ist vollkommen in Ordnung“, antworte ich. „Die sind sehr nett.“ Meine Mitreisenden sind allesamt freundlich zu mir oder ignorieren mich einfach. Das Reisen ist kaum anders als in einem Bus voller Argentinier. Abgesehen davon, dass Argentinier tendenziell etwas lauter und gesprächiger sind.
Meine Antwort kommt ohne Zögern, mit fester Stimme, als sei es das normalste der Welt. Der Argentinier wirkt überrascht. „Ah….ja?“, stammelt er irritiert. Das Reisen in einem Bus voller Bolivianer scheint ihm etwas zu sein, das er nur im Notfall tun würde. Dass es für mich so egal ist, welcher Nation meine Mitreisenden angehören, sie gar als freundlich beschrieb, kann er nicht ganz begreifen. Schließlich sehe ich selbst so gar nicht bolivianisch aus, sondern eher wie eine Argentiniern aus der Mittel- oder Oberschicht. Unser kurzer Dialog war beendet.

Saß der Mann jemals selbst in einem Bus voller Bolivianer? Hat er sich jemals wirklich mit einem Bolivianer unterhalten? Ich bezweifle es. Die Art und Weise, wie er mich als „Weiße“ angesprochen hatte und der Tonfall, in dem er von den anderen, den Bolivianern sprach, machten mich nur im ersten Augenblick stutzig. Dass viele Argentinier ausländerfeindlich gegenüber Bolivianern, Peruanern oder Paraguayern sind, hatte ich schon allzu oft gelesen und gehört. Auch von Argentiniern selbst. Miterlebt hatte ich eine solche Xenophobie allerdings noch nicht. Bis zu diesem Morgen. Dabei war es keine aggressive, offene Feindseligkeit. Vielmehr brodelt sie  leise unter der Oberfläche. Beispielsweise wenn Medien titeln „Drei Personen und ein Bolivianer starben“.
Etwa eine Million Bolivianer leben in dem Einwandererland Argentinien, die Dunkelziffer dürfte groß sein. Und groß scheint auch der Unterschied, der von manchen hier zwischen Einwanderern aus Lateinamerika und solchen aus Europa gemacht wird. Zwischen denen mit heller Haut, europäischen Gesichtszügen und helleren Haaren. Und solchen mit dunkler Haut, indigenen Gesichtszügen und fast schwarzem Haar.

Setz Dich nieder kleines Lama

Der alte Bahnhof in Tiwanaku

Der alte Bahnhof in Tiwanaku

Boliviens erster indigener Präsident, Evo Morales, hat seine erste Rede dort gehalten. Vor mehr als 2000 Jahren siedelte an derselben Stelle die erste Zivilisation Lateinamerikas. Trotzdem hat kaum einer je von Tiwanaku (auch Tiahuanaco geschrieben) gehört, wo sich auf fast 4000 Meter Höhe die Ruinen einer prä-Inka-Kultur befinden. Die Stätte liegt 70 Kilometer von Boliviens Regierungssitz La Paz entfernt und wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Dem bloßen Auge bietet Tiwanaku nicht allzu viel. Erst 5 Prozent der Ruinen wurden ausgegraben, zu sehen sind Mauern, die zu Tempeln gehören und ein paar Statuen. Wer sich aber die Mühe macht, den Guides vor Ort zuzuhören, dem eröffnet sich eine andine Kultur, die den Inkas und auch Europa weit voraus war. Die Bewohner von Tiwanaku benutzten ein ausgeklügeltes System von Wasserkanälen. Sie kannten sich besonders mit Astronomie und den Jahreszeiten gut aus und waren in der Lage, akkurater zu bauen, als die Bolivianer es heute tun. Wer sich für Lateinemerika interessiert, sollte sich unbedingt mit Tiwanaku befassen. Das Wort ist übrigens aus dem Aymara und bedeutet sinngemäß „setz Dich nieder kleines Lama“.